Philosophischer SalonPhilosophischer Salon
Transhumanismus: Pro & Contra
Alle Nachberichte
Nachbericht

Transhumanismus: Pro & Contra

20. März 2026

Am 20. März fand eine Podiumsdiskussion zum Thema Transhumanismus mit Prof. Stefan Lorenz Sorgner und Dr. Jan Juhani Steinmann statt, die auf großes Interesse stieß und die Sitzreihen bis auf den letzten Platz füllte. Im Zentrum standen zwei unterschiedliche Perspektiven auf den Menschen und seine Zukunft im Zeitalter technologischen Fortschritts. Prof. Sorgner hob die positiven Entwicklungen seit der industriellen Revolution hervor, insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung. Der Wunsch nach einem längeren, gesunden Leben sei tief im Menschen verankert, und neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, genetische Eingriffe und umfassende Datennutzung könnten dazu beitragen, Krankheiten zu bekämpfen und das menschliche Leben weiter zu verbessern.

Dr. Steinmann widersprach dem nicht grundsätzlich, setzte jedoch einen anderen Schwerpunkt. Er warnte davor, den Menschen auf die bloße Verlängerung eines genussorientierten Lebens zu reduzieren, und betonte die geistig-seelische Dimension des Menschseins. In christlicher Tradition verwies er auf die „Theosis“ – die Vergöttlichung des Menschen durch Tugend – als eigentliche Zielperspektive. Technischer Fortschritt sei nicht abzulehnen, müsse jedoch dem höheren Ziel der Annäherung an das Göttliche dienen. Auch Leiden und Tod hätten trotz ihrer Unwünschbarkeit einen festen Platz im menschlichen Leben.

 

Die Diskussion legte zwei deutlich kontrastierende Auffassungen vom Menschen offen:

 

  • Transhumanistische Perspektive (Sorgner):
    Der Mensch ist ein formbares, evolutives Wesen, dessen Grenzen nicht gegeben, sondern überwindbar sind. Ziel ist die Optimierung des Lebens: mehr Gesundheit, mehr Leistungsfähigkeit, mehr Lebenszeit. Technologie wird dabei zum entscheidenden Werkzeug – bis hin zur möglichen Verschmelzung von Mensch und Maschine. Fortschritt bedeutet hier vor allem die Ausweitung menschlicher Möglichkeiten im Diesseits.

 

  • Christlich-humanistische Perspektive (Steinmann):
    Der Mensch ist nicht beliebig veränderbar, sondern auf ein höheres Ziel hin ausgerichtet: die Vereinigung mit dem Göttlichen. Sein Wert bemisst sich nicht an Leistungssteigerung oder Lebensverlängerung, sondern an seiner geistig-seelischen Entwicklung. Eine rein technische „Optimierung“ greift zu kurz, weil sie den Menschen auf Funktion, Bedürfnisse und Triebe reduziert und seine eigentliche Bestimmung verfehlt.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurde der Abend von intensiven Gesprächen unter den Teilnehmenden geprägt, die die aufgeworfenen Fragen weiter vertieften und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchteten.